Neues aus dem Projekt 

Vor dem Bau die Kleinsten im Blick: 
Haselmäuse ziehen in die Wentorfer Lohe 

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Jetzt, kurz vor dem Baustart für den Netzverknüpfungspunkt in Sahms, nehmen wir ein Tier und seine Lebensräume ganz besonders in den Blick: die Haselmaus. Das kleine Tier ist streng geschützt und wurde vor Arbeitsbeginn umgesiedelt. Ein neues Zuhause hat sie im Stiftungsland Wentorfer Lohe gefunden – ein Gebiet der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.

Die Sonne stand noch tief über den Knicks in Schleswig-Holstein, als das Team von der Gesellschaft für Freilandökologie und Naturschutzplanung mbH (GFN) zur Arbeit aufbrach. Hier in den Gehölzen zwischen Schwarzenbek und Elmenhorst begann ein besonderer Tag: die Umsiedlung der Haselmaus. Klein, scheu und nachtaktiv lebt sie unter anderem auch dort, wo bald der Netzverknüpfungspunkt in Sahms entstehen soll. Damit braucht die Haselmaus ein neues Zuhause und wurde umgesiedelt – mit viel Geduld, Fachwissen und einem ausgeklügelten Maßnahmenpaket.

Verantwortlich für die Maßnahme war Annika Gralla von GFN. Sie hatte das Projekt von Anfang an begleitet – von der Planung über die Kartierung bis zur Entwicklung des Maßnahmenpakets. Vor Ort im Einsatz waren dann zwei Mitglieder ihres sechsköpfigen Teams - unter anderem Sarah Hayer und Bjarne Hansen. „Die Umsiedlung war eine echte Herausforderung“, sagt Sarah Hayer. „Man brauchte dabei Geduld, Ruhe und musste auch mal mit Kälte klarkommen.“ „Aber es hat sich gelohnt!“, ergänzt Bjarne Hansen.

Schon im Frühjahr wurden sogenannte Nesttubes – schwarze Boxen als Nisthilfen – in den Gehölzen ausgebracht. Sie sind attraktiver als das Anlegen von Freinestern, da sie vor Witterungseinflüssen und Fressfeinden besser schützen. Nach dem Winterschlaf ziehen die Haselmäuse in diese Boxen ein, die über den Sommer regelmäßig von Annika Gralla und ihrem Team kontrolliert wurden. Im Herbst begann dann die eigentliche Umsiedlung: Sarah Hayer und Bjarne Hansen leuchteten vorsichtig mit einem kleinen Handspiegel in jeden Tube. War ein Nest mit Tier darin, verschlossen sie die Box und brachten sie zusammen mit den anderen bewohnten Boxen ins neue Zuhause – die Wentorfer Lohe, ein ökologisch aufgewertetes Gebiet der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Die Vermittlerin zwischen den vielen Beteiligten dieser Artenschutzmaßnahme war die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein, eine 100-prozentige Tochter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.  

Ein Umzug mit Starthilfe

Die Tiere wurden dort nicht einfach ausgesetzt. Sie haben eine „Starthilfe“ erhalten: zusätzliche Nesttubes und Nistkästen wurden von der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein aufgehängt, die den Haselmäusen den Übergang erleichtern und Schutz bieten. „Man merkt, dass die Tiere sich schnell orientierten“, erzählt Bjarne Hansen. „Die sorgfältige Auswahl des neuen Lebensraums und die zusätzlichen Nisthilfen helfen ihnen, sich einzuleben.“ Die Maßnahme wurde durch ein Monitoring begleitet, um die Entwicklung der Population zu beobachten und bei Bedarf weitere Schritte einzuleiten.

Ein Durchgang dauerte bis zu zehn Stunden – bei rund 200 kontrollierten Nisthilfen. Anfangs, als noch viele Tiere vor Ort waren, war der Aufwand besonders hoch. Doch je weniger Haselmäuse gefunden wurden, desto kürzer wurden die Durchgänge. Das Team war jede Woche im Einsatz, bis keine Haselmaus mehr zurückblieb. Die Arbeit war körperlich fordernd, aber auch erfüllend. „Manchmal saßen die Tiere schon in Lauerstellung, als wir kamen“, sagt Sarah Hayer und lacht. „Da muss man gelassen bleiben.“

Alle im Team haben ein biologisches Studium absolviert und bringen Erfahrung im Umgang mit den Tieren mit. Die Umsiedlung wurde digital und per GPS dokumentiert, damit die Maßnahmen nachvollziehbar sind und das Monitoring gezielt erfolgen kann.

Die Umsiedlung von Haselmäusen ist bei Netzausbauprojekten üblich – vorausgesetzt, die Tiere sind vor Ort und es werden größere Gehölzflächen entfernt. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird das Gelände wieder begrünt – mit mindestens ebenso vielen Gehölzen wie zuvor.

Naturschutz als Teil der Energiewende

Was bleibt von diesen Einblicken? Ein tiefes Verständnis dafür, wie viel Sorgfalt und Verantwortung in solchen Maßnahmen steckt. Die Energiewende ist nicht nur Technik und Infrastruktur – sie ist auch Naturschutz, Teamarbeit und der Wille, Lebensräume zu erhalten. Und manchmal beginnt sie ganz leise – mit einem Handspiegel und einer kleinen Haselmaus in einer schwarzen Box.


Sarah Hayer und Bjarne Hansen beherrschen die Königsdisziplin des erfolgreichen Einsammelns: Sie sind zusammen mit vier weiteren Kolleginnen und Kollegen bei GFN vorrangig für die Kartierung und Umsiedlung von Haselmäusen zuständig.

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Foto: Jan Pauls / 50Hertz
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